Päpste der frühen Neuzeit als Auftraggeber und Mäzene – das große Netz

(zur Hauptseite der Romexkursion 2019)

von Vivian Schlosser

Bereits ein erster Blick auf Rom zeigt die Vielfalt der architektonischen Formen, welche sich hier auf engstem Raum aneinanderreihen. Immer wieder kam Neues hinzu, wurde verändert oder ergänzt.

Dabei verewigen sich die Bauherren der einzelnen Projekte meist in Form ihrer Wappen, welche, eingebettet in größere Dekorationsprogramme oder in Kombination mit opulenten Widmungstafeln direkt auf den Hauptansichtsseiten der Bauten. Die Auftraggeber und ihre (Bau-)geschichten sind dabei natürlich so vielfältig wie die von ihnen geschaffenen Formen, häufig findet sich jedoch die reich geschmückte Tiara mit den zwei gekreuzten Schlüsseln – das Zeichen päpstlicher Wirkungsmacht.

Päpste als Auftraggeber großer (Um-)Bauten, das ist nur verständlich, da sich unter dem Dache der katholischen Kirche schon immer große finanzielle und politische Ressourcen vereinigt haben. Somit geht es in den Bauprojekt immer auch um die Repräsentation von Macht. Dies zeigt sich in imposanten Jahrhundertprojekten, wie dem Neubau des Petersdoms durch Julius II. oder den strategischen Überlegungen von „Straßenpapst“ Sixtus V., der das römische Straßensystem nachhaltig zentralisierte. Zusammen mit der Darstellung von institutioneller Größe und Gutherzigkeit werden mit den Wappen auch gleich die eigenen Namen – Borgia, Medici und della Rovere – unverwüstlich in das steinerne Gedächtnis der Stadt gemeißelt und beweisen generationenübergreifend die persönliche Wirkungsmacht der jeweiligen Amtsträger.
So sichtbar die einzelnen Zeichen auf einer Fassade, so schnell gehen sie in der Vielzahl der Wappen auf den römischen Gebäuden unter: Am Ende bleiben viele Fragen offen: Welcher Papst aus welchem Hause hat denn nun was gebaut, erweitert oder saniert? Gibt es noch weitere Projekte unter der gleichen Auftraggeberschaft? Und auf wen verweis eigentlich das jeweilige Wappen auf der Fassade?

Auf Grundlage der Romexkursion: „Rom in der frühen Neuzeit. Ein Blick auf die Antike“ am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt Universität zu Berlin vom 01.- 07. Oktober 2019, versucht die folgende Grafik nun die Beziehungen zwischen den jeweiligen Päpsten und den von ihnen in Auftrag gegebenen Bauten zu visualisieren.

Der Überblick beginnt mit Nikolaus V., eigentlich Tommaso Parentucelli, der 1447 als erster Bürgerlicher seit dem 13. Jahrhundert den Papstthron erstieg und fokussiert sich auf die Zeit zwischen dem 15. Und 17. Jahrhundert. In Gelb stehen hierbei die im Rahmen der Exkursion besprochenen Bauwerke, in Rot Namen und Regentschaftszeiten der einzelnen Päpste. Jedem Papst ist sein Wappen zugeordnet, um im Zweifel nur auf Basis des einzelnen Insigniums den richtigen Auftraggeber zu identifizieren.
Die Grafik soll eine Hilfestellung für einen Rundgang durch die römische Architekturgeschichte sein und neugierig machen, sich weiter mit der Frage der Auftraggeberschaft zu widmen. Bei der Erstellung der Grafik wurde auf die Verwendung lizenzfreier Grafiken geachtet, weshalb sie offen zugänglich sein und im Rahmen weiterer Exkursionen ergänzt und überarbeitet werden soll.